Archiv der Kategorie: Film

Call for Papers Sammelband: Schlechtes Gedächtnis? Kontrafaktische Darstellungen des Nationalsozialismus in alten und neuen Medien

In den letzten Jahren lässt sich in verschiedenen audiovisuellen Medien eine
bemerkenswerte Popularität von kontrafaktischen Darstellungen des Nationalsozialismus
beobachten. Diese ziehen ihren besonderen Reiz daraus, dass die erzählten Ereignisse
gezielt und erkennbar vom verbürgten historischen Geschehen abweichen. Die Freiheit,
die Spielfilme wie Inglourious Basterds (USA 2009) oder Fernsehserien wie The Man in
the High Castle (USA 2015+) dabei im Umgang mit der Geschichte an den Tag legen,
sperrt sich gegen die Anforderungen, die die Diskussion um die filmische Repräsentation
des Nationalsozialismus bestimmen: Der Entwurf kontrafaktischer Szenarien unterminiert
die Frage nach einer angemessenen Abbildung historischer Wirklichkeit. Ihr scheinbar
sorgloser Umgang mit den Ikonen des Nationalsozialismus unterläuft auch das didaktisch
Anliegen, das fiktionalen Erzählungen über den Nationalsozialismus häufig zugrunde liegt.
Gegenüber den Konventionen der Erinnerungskultur bilden sie daher eine Geste der
Provokation.

Wir suchen sowohl kürzere Texte, die sich auf einzelne Fallbeispiele konzentrieren
(15.000-25.000 Zeichen), als auch längere Beiträge, die sich theoriegeleitet mit einem
Problembereich beschäftigen (30.000-45.000 Zeichen).
Abstracts in einer Länge von 300 Worten können, ergänzt um eine Kurzbiographie, bis zum 15. Oktober 2016 über schlechtes.gedaechtnis@gmail.com eingereicht werden.
Deadline für die Manuskripte ist der 24. Februar 2017. Der Band soll im Herbst 2017 bei
Neofelis erscheinen. Herausgegeben wird der Band von Johannes Rhein, Julia
Schumacher, Lea Wohl von Haselberg.

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2012 SCSMI Conference (New York)

At first glance attending the annual conference of the SCSMI (Society for Cognitive Studies of the Moving Image) sounds somewhat old-fashioned: “Cognitive film studies? That’s so 1970s!” … But far from it! The SCSMI is a living scientific community which keeps renewing its object of research as well as its methodological toolbox. Together with Kathrin Fahlenbrach, also member of the Research Center for Media and Communication (RCMC), I was invited to this year’s SCSMI conference that took place 13-16 June 2012 in Bronxville, New York.

Highlights of the conference were the keynote lectures by Alva Noë, David Bordwell and Noël Carroll as well as a night of fascinating experimental 3D films by Ken Jacobs.

These lectures and the various other paper presentations made it quite clear that the majority of research within the SCSMI no longer focuses solely on modeling film viewers’ cognitive activity of ‘information processing’ (as one might expect with regard to the ‘cognitivist’ label) but on the viewing experience as a whole, covering moods, perception, emotions and the diverse ways of relating to fictional characters.

This became also apparent in the paper Kathrin Fahlenbrach and I presented: It was titled “Emotional Mechanics” and discussed the way video games structure players’ emotional responses to video game characters and their behaviour. The conference ended on June 16 with a banquet at New York University.

– Felix Schröter –

Tagung „Menschenbilder in der Populärkultur“ 2012 (Wien)

Vom 29. bis 31. März 2012 fand an der Universität Wien die Tagung “Menschenbilder in der Populärkultur – Konflikte und Wandel” statt, zu der zwei Mitglieder der Graduate School als Redner eingeladen waren: Sebastian Armbrust mit einem Vortrag zu Ethik US-amerikanischer Serienhelden und ich selbst mit einem Beitrag zur Normativität digitaler Spiele. Die dreitägige Tagung vertiefte Diskussionen über die Rolle von Menschenbildern in Medien und Gesellschaft, die 2011 auf dem Workshop “Medium Menschenbild” an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz begonnen worden waren.

Am ersten Konferenztag standen Menschenbilder in Film und Fernsehen im Mittelpunkt, etwa Maike Sarah Reinerths Beitrag zur Darstellung des Mentalen im Film, Ivo Ritzer zu Menschenbildern als Heldenbildern im US-Western, japanischen Samurai- und chinesischen Martial-Arts-Film sowie Sebastian Armbrusts bereits erwähnter Vortrag zu moralisch ambivalenten Protagonisten US-amerikanischer TV-Serien.

Der zweite Tag war dagegen deutlich interdisziplinärer geprägt, wenn etwa Daniel Hornuff über die Inszenierung von Promi-Schwangerschaften sprach, Katja Pufalt über die christliche Ikonographie des David LaChapelle und Joseph Imorde über …nunja… Unterhosen, genauer über Derridas Recycling-Begriff im Zusammenhang mit Werbefotographie für Unterwäsche.
Zum Ausklang des Freitagabends stand schließlich ein Besuch in der Schädelsammlung des Naturhistorischen Museums Wien auf dem Programm.

Im Zentrum des letzten Tagungstag standen zunächst noch einmal die neuen Medien, als Jens Eder über Menschenbilder auf Youtube sprach und ich selbst in meinem Vortrag das Problem konfligierender Menschenbilder und dominanter moralischer Strategien im Computerspiel am Beispiel von Deus Ex: Human Revolution thematisierte. Den Schlusspunkt bildete allerdings wieder ein historisch weit ausholender (und dabei doch zeitloser) Vortrag von Gesine Krüger zum “Affentheater”, zur inszenierten Imitation menschlichen Verhaltens durch Affen.

Die Wiener Tagung führte erneut sehr unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven unter dem Begriff des Menschenbildes erfolgreich zusammen. Obwohl die Notwendigkeit von grundlegender Verständigung über Begriffe und Methoden zur Erforschung medialer Menschenbilder einmal mehr deutlich zutage trat, konnte die Tagung doch im Vergleich zur Vorläuferveranstaltung in Mainz noch neue Akzente setzen und begonnene Diskussionen vertiefen. Das nächste Treffen des Forschungsverbundes “Menschenbilder in Medien, Künsten und Wissenschaften” findet unter dem Titel Menschenbilder in der Populärkultur. Kunst-, Bild-, Medienwissenschaften vom 12.-14. Juni 2012 in Siegen statt.

– Felix Schröter –