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Tagung „Menschenbilder in der Populärkultur“ 2012 (Wien)

Vom 29. bis 31. März 2012 fand an der Universität Wien die Tagung “Menschenbilder in der Populärkultur – Konflikte und Wandel” statt, zu der zwei Mitglieder der Graduate School als Redner eingeladen waren: Sebastian Armbrust mit einem Vortrag zu Ethik US-amerikanischer Serienhelden und ich selbst mit einem Beitrag zur Normativität digitaler Spiele. Die dreitägige Tagung vertiefte Diskussionen über die Rolle von Menschenbildern in Medien und Gesellschaft, die 2011 auf dem Workshop “Medium Menschenbild” an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz begonnen worden waren.

Am ersten Konferenztag standen Menschenbilder in Film und Fernsehen im Mittelpunkt, etwa Maike Sarah Reinerths Beitrag zur Darstellung des Mentalen im Film, Ivo Ritzer zu Menschenbildern als Heldenbildern im US-Western, japanischen Samurai- und chinesischen Martial-Arts-Film sowie Sebastian Armbrusts bereits erwähnter Vortrag zu moralisch ambivalenten Protagonisten US-amerikanischer TV-Serien.

Der zweite Tag war dagegen deutlich interdisziplinärer geprägt, wenn etwa Daniel Hornuff über die Inszenierung von Promi-Schwangerschaften sprach, Katja Pufalt über die christliche Ikonographie des David LaChapelle und Joseph Imorde über …nunja… Unterhosen, genauer über Derridas Recycling-Begriff im Zusammenhang mit Werbefotographie für Unterwäsche.
Zum Ausklang des Freitagabends stand schließlich ein Besuch in der Schädelsammlung des Naturhistorischen Museums Wien auf dem Programm.

Im Zentrum des letzten Tagungstag standen zunächst noch einmal die neuen Medien, als Jens Eder über Menschenbilder auf Youtube sprach und ich selbst in meinem Vortrag das Problem konfligierender Menschenbilder und dominanter moralischer Strategien im Computerspiel am Beispiel von Deus Ex: Human Revolution thematisierte. Den Schlusspunkt bildete allerdings wieder ein historisch weit ausholender (und dabei doch zeitloser) Vortrag von Gesine Krüger zum “Affentheater”, zur inszenierten Imitation menschlichen Verhaltens durch Affen.

Die Wiener Tagung führte erneut sehr unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven unter dem Begriff des Menschenbildes erfolgreich zusammen. Obwohl die Notwendigkeit von grundlegender Verständigung über Begriffe und Methoden zur Erforschung medialer Menschenbilder einmal mehr deutlich zutage trat, konnte die Tagung doch im Vergleich zur Vorläuferveranstaltung in Mainz noch neue Akzente setzen und begonnene Diskussionen vertiefen. Das nächste Treffen des Forschungsverbundes “Menschenbilder in Medien, Künsten und Wissenschaften” findet unter dem Titel Menschenbilder in der Populärkultur. Kunst-, Bild-, Medienwissenschaften vom 12.-14. Juni 2012 in Siegen statt.

– Felix Schröter –