Repeat, Remix, Remediate: Dritte Summer School des RCMC

Die diesjährige Summer School des Research Center for Media and Communication (RCMC) an der Universität Hamburg war nach 2009 und 2010 bereits die dritte und doch eine Premiere, denn zum ersten Mal wurde sie als international ausgeschrieben und beworben. Zu dem Motto „Repeat, Remix, Remediate. Modes and Norms of Digital Media Repurposing“ diskutierten vom 29. Juli bis zum 2. August 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dazu zahlreiche Gäste und Mitglieder der Universität, aus insgesamt 19 Ländern die aktuellen Formen und Normen der Wiederverwendung digitaler Medieninhalte. Es war zugleich der Auftakt zum gleichnamigen neuen Forschungsschwerpunkt des RCMC.

Der neue Forschungsschwerpunkt befasst sich mit den allgegenwärtigen Fragen, die durch die quasi unbegrenzte Verfügbarkeit, beliebige Speicherung, Bearbeitung und Verbreitung digitaler Medieninhalte für die Wissenschaft, die Medienpraxis und die Medienpolitik entstehen: Handelt es sich bei dieser Wiederverwendung um eine reine Wiederholung des Alten oder tatsächlich um etwas Neues? Wie wird „alter Wein“ medial durch Digitalisierung und das sogenannte Web 2.0 in „neue Schläuche“ verpackt? Was gilt überhaupt als „alt“ bzw. „neu“ in den Medien? Inwiefern können urheberrechtlich geschützte Werke wiederverwendet werden? 

Die diesjährige Summer School des Research Center for Media and Communication der Universität Hamburg hat sich diesen zentralen Frage der gegenwärtigen Medienentwicklung gewidmet und dabei in Vorträgen, Workshops und Arbeitsgruppen sowohl Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als auch Gäste aus der Praxis zu Wort kommen lassen. Die Sicht der Produzentinnen und Produzenten der digitalen Inhalte war dabei ebenso relevant wie die der Konsumentinnen und Konsumenten.

Von Copyright über Plagiate bis Remix

Zum Auftakt sprach Nishant Shah vom Centre for Internet and Society im indischen Karnataka/Bangalore unter dem Titel „Guilty until Proven Innocent: Pirates, Pornographers, Terrorists and the IT Act in India“ über die juristischen Herausforderungen und aktuelle Probleme der Entwicklung der digitalen Kulturen. Dass die Grenzen zwischen der Produktion der Medieninhalte und der Rezeption in der digitalen Zeit nicht mehr so eindeutig sind und was das für Auswirkungen auf die Inhalte hat, beleuchtete etwa Mirko Tobias Schäfer von der Universiteit Utrecht in seinem Vortrag „Permanent Reiteration: User Generated Content as RePin, ReTweet, ReShare, ReWhatever“.

Joanne Garde–Hansen von der University of Warwick bettete das Thema der School in den Kontext der aktuellen Diskussionen um eine digitale Memory Culture ein, während Allison Eden von der Vrije Universiteit Amsterdam Neuheit und Vertrautheit als  Prädikatoren für Genuss und Interesse in der Mediennutzung untersuchte. Wolfgang Schulz vom Hans-Bredow-Institut beschäftigte sich in seinem Vortrag „The King is Dead, Long Live the King: The Ambiguous Role of Copyright in a Digital Society” mit der grundsätzlichen Frage, welche Rolle das Copyright in einer sogenannten digitalen Gesellschaft überhaupt spielt und inwiefern die existierenden Gesetze noch anwendbar sind. Vom RCMC und der GMaC waren zudem Joan K. Bleicher, die zum Begriff der Remediation referierte, Michel Clement, der mit Christian Sommer (Motion Picture Association of America) medienökonomische Strategien gegen Piraterie vorstellte, Sebastian Armbrust, Sebastian Bartosch, Ramona Bäuml, Marie Harder, Felix Schröter und Julia Schumacher mit eingebunden.

Zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kamen der Komponist und Filmemacher Christian von Borries, der seinen Film Mocracy: Neverland in Me im 3001-Kino präsentierte, der Musik-Produzent und DJ David Hanke aka Renegades of Jazz vom Hamburger Mojo Club, der praktisch in die Technik des Remixens und des Sampling einführte, und der Schriftsteller, Musiker und DJ Thomas Meinecke, der in einer öffentlichen Veranstaltung im Club GOLEM aus seinem Roman Hellblau las. Alle drei standen zudem in Workshops den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch Rede und Antwort.  Eine Exkursion zum Content Center der ARD News beim NDR in Lokstedt rundete das Programm ab.

Ein voller Erfolg

Uwe Hasebrink und Andreas Stuhlmann, die Initiatoren dieser ersten International Summer School, waren hoch zufrieden mit den Ergebnissen der Veranstaltung. Vor allem die Vorträge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst waren von durchweg hoher Qualität, deckten eine Reihe von zentralen Themengebieten ab und gaben hervorragenden Input für die Diskussionen. Eigene Remixe, Mashups und Fan-Edits der Beteiligten, sowie zusätzliches  Referenzmaterial war im Rahmen einer von Benjamin Fellmann kuratieten Präsentation im „White Cube“ der School zu sehen. Die Summer School hat die Relevanz des Themas noch einmal eindrucksvoll unterstrichen. Der Forschungsschwerpunkt des RCMC wird sich mit den zentralen Fragen in den kommenden Jahren noch detaillierter auseinandersetzen.

Das Gesamtprogramm sowie Abstracts zu allen Vorträgen und Veranstaltungen finden sich unter http://repeat-remix-remediate.com/programme/

 

Für das Organisations-Team: Andreas Stuhlmann

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