Call for Papers Sammelband: Schlechtes Gedächtnis? Kontrafaktische Darstellungen des Nationalsozialismus in alten und neuen Medien

In den letzten Jahren lässt sich in verschiedenen audiovisuellen Medien eine
bemerkenswerte Popularität von kontrafaktischen Darstellungen des Nationalsozialismus
beobachten. Diese ziehen ihren besonderen Reiz daraus, dass die erzählten Ereignisse
gezielt und erkennbar vom verbürgten historischen Geschehen abweichen. Die Freiheit,
die Spielfilme wie Inglourious Basterds (USA 2009) oder Fernsehserien wie The Man in
the High Castle (USA 2015+) dabei im Umgang mit der Geschichte an den Tag legen,
sperrt sich gegen die Anforderungen, die die Diskussion um die filmische Repräsentation
des Nationalsozialismus bestimmen: Der Entwurf kontrafaktischer Szenarien unterminiert
die Frage nach einer angemessenen Abbildung historischer Wirklichkeit. Ihr scheinbar
sorgloser Umgang mit den Ikonen des Nationalsozialismus unterläuft auch das didaktisch
Anliegen, das fiktionalen Erzählungen über den Nationalsozialismus häufig zugrunde liegt.
Gegenüber den Konventionen der Erinnerungskultur bilden sie daher eine Geste der
Provokation.

Wir suchen sowohl kürzere Texte, die sich auf einzelne Fallbeispiele konzentrieren
(15.000-25.000 Zeichen), als auch längere Beiträge, die sich theoriegeleitet mit einem
Problembereich beschäftigen (30.000-45.000 Zeichen).
Abstracts in einer Länge von 300 Worten können, ergänzt um eine Kurzbiographie, bis zum 15. Oktober 2016 über schlechtes.gedaechtnis@gmail.com eingereicht werden.
Deadline für die Manuskripte ist der 24. Februar 2017. Der Band soll im Herbst 2017 bei
Neofelis erscheinen. Herausgegeben wird der Band von Johannes Rhein, Julia
Schumacher, Lea Wohl von Haselberg.

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