Die Hamburgische Dramaturgie der Medien. Egon Monk – Autor, Regisseur, Produzent

Arbeitstagung des IMK und des RCMC in Verbindung mit der Forschungsstelle zur Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland an der Universität Hamburg

ZEIT UND ORT:
 8.-9. Juni 2012, Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Alle 1, AS-Saal

Koordination: Knut Hickethier, Julia Schumacher, Andreas Stuhlmann in Verbindung mit Hans-Ulrich Wagner

Egon Monk war eine der richtungsweisenden Figuren, die die Entwicklung Hamburgs zu der seinerzeit modernsten Medienstadt in Deutschland prägten. Seit den 1950er Jahren entwickelte sich die Stadt, über die Präsenz der traditionellen Zeitungsverlage hinaus, zu einem zentralen Standort der Massenmedien von Rundfunk, Film und Fernsehen.

Egon Monk spielte eine zentrale Rolle bei diesem Aufbruch im Feld der Medien. Als Autor und Regisseur, Produzent und Fernsehspielchef des NDR sollte er ihn begleiten und maßgeblich mitgestalten. Dabei erstreckte sich Monks Tätigkeit über verschiedene Künste und Medien. Seit Beginn seiner Karriere bei Bertolt Brecht am Berliner Ensemble inszenierte er für das Theater, in den 1950er Jahren konzipierte er Hörspiele und Feature für den RIAS und den NDR. Bereits 1953 führte er Regie für den Fernsehfunk der DDR und mit Beginn der 1960er Jahre für den NDR. Kurzzeitig hatte er 1968 auch die Intendanz des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg inne und lieferte seit 1962 Opernregien zu Kompositionen von Alexander Goehr oder Ernst Krenek ab.

Sein Hautarbeitsgebiet aber blieb das Fernsehen. Wie kein anderer prägte er die Anfänge des zeitkritischen bundesdeutschen Fernsehspiels. Aus vorhandenen Ansätzen machte er eine eigenständige Fernsehkunst, die die Kritik, in Anlehnung an Lessing, die „Hamburgische Dramaturgie des Fernsehspiels“ nannte. Monks Programmpolitik wurde zum Vorbild. Als Produzent und Dramaturg förderte er Klaus Wildenhahn und Eberhard Fechner, die Ästhetik seiner eigenen Regiearbeiten für das Fernsehen war Inspiration für Regisseure wie Horst Königstein und Heinrich Breloer.

Die Bedeutung Monks für die kulturelle und künstlerische Entwicklung der Bundesrepublik ist bisher unterschätzt. Mit seiner Arbeit stellte er eine Verbindung zwischen verschiedenen Medien und Künsten her, die ein Kennzeichen für die Medialisierung der Kultur in der Nachkriegsgesellschaft ist. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Monk konzentrierte sich bisher auf seine früheren Regiearbeiten für das Fernsehen in den 1960er Jahren. Die Wirksamkeit seiner Tätigkeit als Produzent, als Programmgestalter und Förderer junger Talente und die in seiner gesamten Werkbiografie wirksamen Rückbezüge zu seinen Anfangsjahren bei Bertolt Brecht, wie auch seine Inszenierungen für Rundfunk, Musik- und Sprechtheater sind bislang vernachlässigt worden.

Um diese Lücke zu schließen und die Bedeutung Monks aufzuarbeiten, lädt das Institut für Medien und Kommunikation der Universität Hamburg in Verbindung mit der Forschungsstelle Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland (FGRN) zu einer Arbeitstagung am 8. und 9. Juni 2012 ein. Sie beleuchtet Egon Monks Oeuvre anhand werkbiografischer Stationen aus transdisziplinärer Perspektive.

Programm

Freitag, 8.6. 2012

11:00 Begrüßung

11:30 Grußwort: Egon Monk und der mediale Aufbruch in Hamburg. Joan K. Bleicher (Hamburg)

12:00 “Die Kunst ist kein Schlaraffenland.” Monks Lehrjahre 1948-1953 mit Brecht und dem Berliner Ensemble. Esther Slevogt (Berlin)

13:00-14:30 Mittagspause

14:30 Vom Gebrauchswert der Literatur/Geschichte. Egon Monk, Hans Mayer und der Schulfunk des RIAS Berlin. Andreas Stuhlmann (Hamburg)

15:30 Egon Monk und die Phase des Umbruchs im NDR. Hans-Ulrich Wagner (Hamburg)

16:30 Intendant am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg: Die 76 Tage des Egon Monk. Michael Propfe (Hamburg)

17:30 Pause

18:15 Abendvortrag: “Ein Versuch, Farbe zu bekennen”. Egon Monks Zusammenarbeit mit Alexander Goehr und Ernst Krenek. Dörte Schmidt und Matthias Pasdzierny (Berlin)

Samstag, 9.6. 2012

10:00 Monk und das Fernsehspiel der 1960er Jahre. Knut Hickethier (Hamburg)

11:00 Das andere Wirken eines Fernsehspielchefs: Egon Monks Einfluss auf die Zweite Hamburger Schule des Fernsehdokumentarismus. Christian Hißnauer (Göttingen)

12:00 Das Fernsehen als Erzählmaschine. Zu fiktionalen und dokumentarischen Formen des NDR-Fernsehens der 1970er-Jahre. Dietrich Leder (Köln)

13:00 „In epischer Fülle und formaler Strenge“. Monks mehrteilig erzählte Zeitgeschichte. Julia Schumacher (Hamburg)

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